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Ohne KMU keine Netto-null-Emissionen

Um das ehrgeizige Ziel der Netto-null-Emissionen zu erreichen, sind KMU von entscheidender Bedeutung. Sie verursachen einen wesentlichen Teil der inländischen Emissionen, weisen aber auch ein beträchtliches Emissionseinsparpotenzial auf.

Die Schweiz hat sich durch die Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015 verpflichtet, ihre jährlichen Treibhausgasemissionen bis 2030 um die Hälfte gegenüber 1990 zu reduzieren, und bis 2050 sogar «Netto-null-Emissionen» zu erreichen. Diese ehrgeizigen Ziele können nur mit einschneidenden Massnahmen erreicht werden, bei denen sowohl Haushalte als auch Unternehmen eine entscheidende Rolle spielen. Obwohl derzeit der Fokus auf Grossunternehmen liegt, dürften künftig auch KMU, die das Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft bilden, verstärkt unter Druck geraten. Das geht aus einer aktuellen Studie der Credit Suisse hervor.

Es reicht nicht, wenn nur Grossunternehmen ihre Emissionen verringern

Die Schweizer Unternehmenslandschaft ist stark durch KMU geprägt. Gemessen an der Anzahl Unternehmen machen die KMU rund 99% aller Unternehmen aus. Nimmt man die Anzahl Beschäftigte in Vollzeitäquivalenten als Referenzgrösse, dann machen die KMU fast zwei Drittel der Unternehmenslandschaft Schweiz aus. Die Betriebsgrösse kann allerdings nicht automatisch den inländischen Emissionen pro Unternehmensgruppe gleichgesetzt werden, da Unternehmen je nach Branchenzugehörigkeit oder Position in der Wertschöpfungskette unterschiedliche Mengen an Treibhausgasen ausstossen. Branchen mit einem hohen CO2-Ausstoss, wie beispielsweise die Zement- oder Metallindustrie, erfordern erhebliche Anfangsinvestitionen und sind deshalb eher von grösseren Unternehmen geprägt. McKinsey & Company schätzt (2022), dass rund 40% bis 50% der wirtschaftlichen inländischen Emissionen von KMU verursacht werden. Dieses Resultat verdeutlicht, dass KMU einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung des Netto-null-Ziels leisten können. Gleichzeitig wird klar, dass es nicht ausreichen wird, wenn nur die Grossunternehmen ihre Emissionen verringern.

Neue technologische Innovationen sind für die Zielerreichung unverzichtbar

Die Bedeutung der Unternehmen für die Erreichung ehrgeiziger Klimaziele geht jedoch über ihr eigenes Emissionseinsparpotenzial hinaus und umfasst auch deren Innovationsbeitrag. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) dürften sich in den kommenden Jahren neue technologische Innovationen auf dem Markt etablieren, welche für die Zielerreichung unverzichtbar sein werden, erklären die Autoren: Im Szenario «Faster Innovation Case» wird prognostiziert, dass 45% der Emissionseinsparungen im Jahr 2050 von Technologien stammen werden, die derzeit noch nicht kommerziell verfügbar sind. Dieses Ergebnis unterstreicht die Notwendigkeit von stetigen Investitionen in neue Technologien bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft. Dabei merken die Studienautoren an, dass die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmassnahmen sowie die Einführung von Innovationen Hürden bergen, die für KMU in der Regel etwas höher sind als für Grossunternehmen.

Zugang zu finanziellen Mitteln ist wichtig

Ein wichtiger Aspekt ist etwa der Zugang zu finanziellen Mitteln. Banken unterstützen Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsstrategie, indem sie zunehmend Finanzierungslösungen anbieten, die an ein bestimmtes Nachhaltigkeitsziel gekoppelt sind. Mit dem Technologiefonds besitzt auch der Bund ein klimapolitisches Instrument, um Darlehen an innovative Schweizer Unternehmen vereinfacht zu vergeben und somit neuartige Produkte zu fördern, die eine nachhaltige Verminderung von Treibhausgasemissionen ermöglichen.

Umweltregulierungen fokussieren primär auf Grossunternehmen

Ein anderer Grund, weshalb KMU weniger oft Nachhaltigkeitsmassnahmen ergreifen, kann mit der Gesetzgebung zusammenhängen. Zwar hat sich bei den Umweltregulierungen in den letzten Jahren einiges getan, und eine deutliche Mehrheit der Schweizer Unternehmen ist von Umweltregulierungen betroffen, wie die Autoren betonen. Doch die Umweltregulierungen fokussieren primär auf Grossunternehmen: Während rund zwei Drittel der Schweizer Grossunternehmen in den letzten drei Jahren eine Zunahme der für sie relevanten Regulierungen im Umweltbereich verzeichnet haben, liegt der Anteil bei den KMU mit rund 50% deutlich darunter.

Nachhaltigkeitsdruck nimmt zu

Eine deutliche Mehrheit der Schweizer KMU verspürt den Nachhaltigkeitsdruck auf verschiedenen Ebenen. Neben externen Interessengruppen kann auch aus den eigenen Unternehmensreihen ein gewisser Druck auf das Unternehmen einwirken. Nachhaltigkeit ist längst zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor geworden, was viele Entscheidungsträger innerhalb der Unternehmen erkannt haben. Gemäss der Umfrage der Hochschule Luzern und der Fachhochschule Köln verspüren die Schweizer Unternehmen den stärksten Einfluss von der eigenen Geschäftsführung (69%), gefolgt von den Mitarbeitenden (58%). Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels könnte der Nachhaltigkeitsfokus ein entscheidender Wettbewerbsvorteil bei der Rekrutierung von qualifizierten Arbeitskräften darstellen.

Fokus richtet sich zunehmend auch auf die Kleinen

Auch der Druck seitens der Geschäftseigentümerschaft (51%) und – wo vorhanden – dem Verwaltungsrat beziehungsweise Oberleitungsgremium (49%) sollte nicht unterschätzt werden. Eine Analyse nach Unternehmensgrösse zeigt erneut, dass die Grossunternehmen bei der Umweltverantwortung öfters den Druck von innen verspüren. Dieses Resultat ist wenig überraschend, sind es doch auch die Grossunternehmen, die aufgrund ihrer Grösse einen höheren Bekanntheitsgrad aufweisen und für welche deshalb Reputationsrisiken grösser sind als bei den KMU. Angesichts der zentralen Rolle der KMU bei der Erreichung des Netto-null-Ziels und des noch unerschlossenen Potenzials dürfte sich der Fokus allerdings zunehmend auf die «Kleinen» richten.

Die vollständige Studie findet sich unter diesem Link.